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14. November 2011

Mehr Abenteuer als nötig am Titicacasee

Mehr Abenteuer als nötig am Titicacasee

7. Oktober – 14. November 2011
Geschrieben in La Paz, Bolivien

Reiseschmankerl #2: Wie Schweizer Vielzugfahrer den Zug in Peru verpassen…

Bereits im letzten Bericht haben wir kurz unsere Panne beim Zugfahren angetönt und hier nun die ganze Story dazu:
Als Besonderheit haben wir uns bereits zu Beginn der Reise entschieden, dass wir uns zwischen Cusco und Puno eine Zugfahrt mit dem Andean Explorer von Perurail gönnen wollen, da es ab und zu auch ein Hauch von Luxus sein darf. Die Fahrt kostete zwar etwa ein vierfaches des peruanischen Tagesbudgets, aber die Fahrt sei atemberaubend, wurde uns von mehreren Reisenden berichtet. Da wir bereits zwei Tage vorher ebenfalls mit einem Zug der Perurail zum Machu Picchu fuhren und wir da viel zu früh am Bahnhof waren, gingen wir diesmal etwas später aber trotzdem noch völlig in der Zeit liegend. Der Bahnhof befindet sich nicht in Cusco selber, sondern in Poroy, welches in ca. 25 Minuten mit dem Taxi zu erreichen ist. Als wir um 7.30 Uhr (Abfahrt um 08.00 Uhr) am Bahnhof ankamen, meinte Stine bald: „Es hat irgendwie so wenig Leute und unser Zug ist auf der Anzeigetafel auch nicht angezeigt“. Also kontrollierten wir die Tickets und merkten, dass der Zug nicht in Poroy sondern in Cusco fährt – Mist!

Verzweifelt suchten wir ein Taxi und fanden um 7.40 Uhr auch endlich eins, welches uns so schnell als möglich nach Cusco fahren sollte. Als Ansporn versprachen wir dem Taxifahrer einen zusätzlichen Dollar, wenn wir es rechtzeitig schaffen. Aber wie es Murphys Gesetz eben will, erwischten wir jeden langsamen Bus und Lastwagen, welcher um diese Zeit unterwegs war und so erreichten wir um 8.02 Uhr den Bahnhof in Cusco. Pünktlichkeit ist keine Sache, mit denen sich die Peruaner schmücken können, aber Perurail wollte an diesem Tag nicht unpünktlich sein und so war der Zug weg – Doppelt Mist!

In Aussicht der Alternative (einer 12h Nachtbusfahrt) rannten wir panisch zu einer Schalterdame und erzählten unser Problem, diese rannte kurz darauf noch viel panischer zum Bahnhofvorsteher und erklärte die gesamte Situation. Cool und abgebrüht wie ein Bahnhofsvorsteher halt sein muss (stell ich mir zumindest so vor) lief dieser gemütlich zu uns, packte sein Funkgerät und besprach sich mit dem Zugchef des fahrenden Zuges.

Zwei Minuten später wussten wir, dass falls es uns gelingt mit dem Taxi den Zug zu überholen, wir einsteigen können. Also beauftragten wir unseren Taxifahrer erneut Gas zu geben und so schnell wie möglich die Aufstiegsstelle ausserhalb von Cusco zu erreichen. Bereits nach einigen Minuten konnten wir am Stadtrand von Cusco den Zug erspähen und beobachteten wie wir Meter für Meter aufholten. Als unsere Fingernägel am Ende waren, hatten wir den Zug endlich überholt und konnten nun den nötigen Vorsprung gewinnen. Nach der 40 Minütigen Taxifahrt erreichten wir die Stelle, stellten uns an die Gleise und winkten mit unseren Tickets. Nach wenigen Minuten kam der Zug in Sichtweite, begann zu bremsen und liess uns einsteigen… Drinnen angekommen nahm uns das super nette Personal sofort die Rucksäcke ab und brachten uns ein Getränk… Schnauff!

Die Fahrt selber war dann genial: Super Essen, ein bisschen Luxus und die unbeschreibliche Landschaft dieser Andenhochebene, auf der der Zug zeitweise auf über 4’300m stieg.

Puno war die Endstation des Zuges und dort verweilten wir zwei Nächte am Titicacasee. Der Ort selber hat sehr wenig zu bieten und diente uns als Ausgangspunkt für die nächste Station unserer Reise. Von Puno aus hätten wir gerne die schwimmenden Inseln besucht, was aber wegen dem Gesundheitszustand von Stine leider nicht möglich war. (Man merke sich: Niemals Eis im Getränk!)

Copacabana

Wir liessen Peru hinter uns zurück und fuhren innert drei Stunden mit dem Bus dem Titicacasee entlang bis wir die bolivianische Grenze erreichten, von dort aus war es zu unserem Ziel nur noch ein Katzensprung. Copacabana ist ein winziges Städtchen am höchsten von komerziellen Schiffen befahreren See der Welt, dem Titicacasee. Dieser  liegt auf einer Höhe von 3’810m, ist 194 km lang und 65 km breit und hat eine maximale Tiefe von 281 m. Das Städtchen ist sehr touristisch und bietet ausser einem Hafen mit den Tourschiffen nicht viel. Dafür hatten wir hier das beste, kreativste Hotel der ganzen Reise bis jetzt! Die Lage war ein bisschen erhöht, das Zimmer inkl. Galerie war vor allem aus Holz und Stein gebaut. Riesen Glasfront mit Sicht auf den See, eigene, kleine Terrasse mit Hängematten und Liegestühlen, eine Dusche aus Stein usw.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem kleinen, klapprigen Schiff auf die Isla del Sol (Sonneninsel), welche der Inkalegende nach der Enstehungsort der Sonne und der Inkas sein soll. Die Insel ist landschaftlich sehr karg und beherbergt einige Inknaruinen. In einer ca. vierstündigen Wanderung an der prallen Sonne auf über 4’000 m waren wir froh, das Südende erreicht zu haben und wieder ins Boot steigen zu können.

La Paz

Vorgestern fuhren wir dann mit dem Bus weiter nach La Paz. Die Fahrt war durch das Warten auf die Tour de Bolivia (Echt!), das Überschiffen auf einem engen Kanal des Titicacasees und der kurvigen Strassen wirklich abenteuerlich. La Paz ist mit knapp 900’000 Einwohnern eine kleinere Stadt und hat den höchsten Regierungssitz der Welt. Die Stadt selbst ist nicht schön,  sehr schmutzig und bietet keine touristischen Highlights. Wir nutzen die Zeit hier vor allem zum Organisieren der Tour in die Salar de Uyuni (Salzwüste), welche wir am 15.11.11 starten werden.

Wir melden uns bald wieder mit den Eindrücken aus der grössten Salzwüste der Welt und wünschen euch bis dahin viel Spass mit diesem Bericht.

Bis gli,
Stine u Michu

8. November 2011

Auf den Spuren der Inkas

Auf den Spuren der Inkas

28. Oktober – 6. November 2011
Geschrieben in Cusco, Peru

Nun sind wir in der Hauptstadt Perus angekommen, eine riesige Stadt mit ungefähr 9 Millionen Einwohnern. Wir verbrachten 3 Tage hier und besuchten einen Bekannten von mir. Emilio war vor ein paar Jahren ein peruanischer Konsulat in Bern und war ein Stammkunde von mir im Reisebüro. Durch ihn konnten wir ein ganz altes, spanisches Herrenhaus besichtigen, welches ein Teil des Aussenministeriums ist, in dem er arbeitet. Das Haus ist nicht öffentlich, es dürfen nur Minister, Präsidente ect. rein. Hier halten sie Sitzungen ab und unterzeichnen Verträge. Das Gebäude hat einen wunderschönen Innenhof, alte, noch von den Marquesen stammende Möbel und Gemälde und die alten schön verzierten Balkone aus Holz. Wir konnten uns richtig vorstellen, wie die reichen Spanier hier früher lebten. Und wir hatten das Glück, dies alles sehen zu können. Eigentlich gehört dies alles in ein Museum… meinte Emilio.

Wir besichtigten in der Altstad von Lima, welche aus vielen Plätzen und Gebäuden im kolonial- und barockstil besteht, noch eine Kathedrale, wo der Sarg des spanischen Eroberers Pizzaro steht (ob er wirklich drinn liegt weiss niemand so recht…) und eine andere Kirche mit tausenden von Gräbern unten in den Katakomben. Diese Katakomben waren teils nicht so hoch und breit, so dass es einem ein bisschen mulmig wurde. Ausserdem konnte man überall Gräber mit Menschenknochen sehen, was das ganze nicht angenehmer machte. Genau zu dieser Zeit, als wir da unten waren, war das starke Erdbeben in der Nähe von Lima. Wir haben auf jeden Fall nichts gespürt, währenddem Emilio es im 4. Stock seines Arbeitsplatzes sehr gut gespürt hat.

In Lima gibt es ein sicheres Viertel mit Name Miraflores. Hier befinden sich die meisten Hotels. Es hat viele Restaurants und Bars und zum Meer ist es auch nicht weit. Wir gingen an der Promenade, welche sich oberhalb der Klippen befindet, spazieren und besuchten noch ein paar Stunden ein Shoppingcenter, welches in die Klippen eingebaut ist. 🙂 Am Meer unten hat es keine schöne Promenade zum spazieren und die mehrspurige, lärmige Strasse ist gleich hinter dem Strand. Deshalb, und weil das Wasser sowieso viel zu kalt war, gingen wir nicht runter zum Meer.

Cusco

Nur eine knappe Flugstunde von Lima entfernt befindet sich Cusco. Eine schöne, kleine Stadt mit wiederum vielen Gebäuden im Kolonialstil und vielen schönen Plätzen. Die Altstadt ist so klein, dass man sie in einem halben Tag gesehen hat. Trotzdem blieben wir hier eine ganze Woche. Schliesslich hat Cusco mehr zu bieten als nur die Stadt selbst:

Von hier aus wollen wir den Machu Picchu besichtigen. Doch bis wir endlich unsere Eintritttickets in der Hand hielten vergingen einige Stunden: Via Globetrotter und Reiseführer wurden wir informiert, dass wir die Tickets spätestens 15 Tage vorher via Internet reservieren müssen. Dies haben wir natürlich gemacht. Auf dieser Internetseite steht dann eine Adresse in Cusco, wo man mit der angegebenen Reservierungsnummer das Ticket abholen und bezahlen muss. Also gingen wir zu dieser Adresse. Die Dame und ihr Kollege dort wussten aber von nichts und gaben uns eine andere Adresse an. Also fuhren wir mit dem Taxi dort hin. Wir standen lange an um dann von diesem Herr die Auskunft zu erhalten, dass diese Reservationsnummer nicht mehr gültig sei. Man müsse nach der Reservation innerhalb 6h bezahlen, sonst werde die Reservierung wieder ungültig. OK… von dem stand leider in den zweiseitigen Bedingungen und Informationen auf der Internetseite nichts. Wir standen danach in der anderen Schlange an, um zuerst ein Ticket zu reservieren. Eine Dame, welche in einem Reisebüro arbeitet und auch anstand, empfahl uns zuerst zu schauen ob es überhaupt noch ein Zug für diesen Tag hat. Denn sonst haben wir ein Ticket und kommen mit dem Zug nicht hin. (Ja, Reisebüro-Angestellte sind eben hilfsbereit. 🙂 ) Also gingen wir ohne Ticket zurück ins Zentrum und buchten bei Railperu den Zug. Leider war nun das Machu Picchu-Büro schon geschlossen und wir mussten  bis zum nächsten Tag warten. Gleich am nächsten Tag um 8 Uhr reservierten wir unsere Tickets im Internet und gingen wieder mit dem Taxi zu diesem Büro. Leider hatte dies an diesem und auch am nächsten Tag (wegen einem Feiertag) geschlossen. Na toll, dachten wir. Was machen wir jetzt? Wir gingen also zurück ins Hotel und schauten auf der Internetseite was es sonst noch für Lösungen gibt. Ganz klein in einer Ecke fanden wir „pay with Visa“! Jupiiii, so einfach würde es gehen. 🙂 (Tickets ausdrucken in einem Internetcafe war dann das kleinste Problem…)

Bevor wir aber die Ruinen des Machu Picchu sahen, besichtigten wir – in einer zu 98% aus Einheimischen oder Südamerikanern bestehenden Gruppe – das Heilige Tal (Valle Sagrado). Dieser Ausflug, welcher von 9:00 bis 19:30 dauerte, war von der Natur her sehr sehr schön. Von der Gruppe her aber eher mühsam. Wir waren ca. 30 Leute und 24 davon kamen immer zu spät. (Wir waren genau 6 Touristen von anderen Kontinenten…) Somit hiess es oft warten, suchen, warten… Ausserdem war der Bus nach einiger Zeit voller Souvenirsäcke und Maiskolben. (Die kauften einfach alles… und assen immer Maiskolben mit Käse 🙂 )

Trotzdem war es eine Reise wert, denn die Inka-Ruinen waren unglaublich schön und beeindruckend. Der Guide war sehr gut, er wusste sehr viel Spannendes über die Inkas und die Ruinen zu erzählen. Wir besichtigten zuerst einen (Touristen-) Markt mit vielen Souvenirs (dieser war jetzt nicht gerade das Highlight) und danach die sehr hoch gelegene Ruine von Pisac. Von ganz oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf die riesigen Terassen und das heilige Tal mit dem Fluss Urubamba. Später fuhren wir nach Ollantambuyo, wo es auch eine sehr beeindruckende, kleinere Ruine hatte. Wiederum ein schöner Ausblick, war aber etwas anstrengender als die vorherige. Wir stiegen die ganzen Treppen bis ganz oben hinauf. Die nächste Ruine erreichten wir erst in der Dämmerung, dies hüllte sie aber in eine ganz spezielle Atmosphäre. Die Ruine wurde von den Spaniern zum grössten Teil „überbaut“, deshalb steht heute auf einer Ruine z.B. eine Kirche.

Das Highlight – Machu Picchu

Machu Picchu (heisst: „alter Berg“) war grossartig. Trotz der vielen Touristen war die riesige, immer noch sehr gut erhaltene Ruine wunderschön und sehr beeindruckend. Denn abgesehen von der hohen Qualität der Architektur und der Kunst wie die Inkas all diese Steine verarbeitet haben, verdankt Machu Picchu ein grosser Teil seiner Schönheit auch seiner majestätischen Lage sowie der umliegenden Landschaft. Die Stadt ist von Schluchten und Bergen zwischen den Anden und dem Regenwald des Amazonas umgeben.

Die Stadt bestand früher aus Tempeln, Palästen, Altären, Plätzen, Strassen, Wegen, Bädern und einigen Wohnhäusern. Ausserdem sehr viele Terassen, welche als Anbauflächen genutzt wurden. Wir konnten die ganze Ruine im Überblick auf dem Gipfel des kleinen Huayna Picchu, einem Berg gegenüber Machu Picchu bestaunen. Es kostete uns 30 Minuten für den anstrengenden Aufstieg in dieser Hitze, aber es lohnte sich, denn die Sicht war überwältigend. (Leider schaffte ich es nicht auf den grossen Huayna Picchu, welcher eine Stunde steiler Aufstieg bedeutet hätte.)

Nach dem Abstieg besichtigten wir in 3 1/2 Stunden die ganze Anlage. Wir gingen diesmal ohne Gruppe und Guide, kauften uns aber einen ausführlichen Reiseführer auf Deutsch. Zuerst stiegen wir die Treppen rauf auf den höchsten Punkt von Machu Picchu, dem Wachhaus. Von hier hat man einen 360 Grad Rundumblick und die Inkas konnten von hier Feinde entdecken. Unsere Frage war nur, wer kam den schon hier hin??? Das konnte doch niemand finden… (ausser 1911 der Entdecker Hiram Bingham…) Danach stiegen wir wieder Treppe runter, rauf, runter… besichtigten die Stadt wo die Inkas wohnten, den Sonnentempel, das königliche Grab, das königliche Quartier (sah nicht viel anders aus als die Wohnhäuser…), den heiligen Platz mit paar Tempeln, die Pyramide (wo die Zeremonien und Opferungen stattfanden) und das Gefängnis.

Wie wir den Zug nach Puno verpasst und doch noch erwischt haben und vieles mehr erfahrt ihr im nächsten Bericht. 🙂

Bis gli,
Stine u Michu