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21. November 2011

Salz & Staub

Salz & Staub

15. November –18. November 2011
Geschrieben in Salta, Argentinien

Die Tour durch die Salar de Uyuni (Salzwüste) und die verschiedenen Wüsten und Nationalparks bis zur chilenischen Grenze war eines der grössten Highlights, die wir bis jetzt auf unserer Reise erlebt haben. Wir sind von dieser Schönheit und schier unendlichen Landschaften total beeindruckt.

Am ersten Tag flogen wir früh am Morgen von La Paz mit einem kleinen Propellerflugzeug nach Uyuni. Das Flugzeug hatte nur 18 Plätze, auf jeder Seite ein Sitz. Mir war während dem ganzen Flug ein bisschen mulmig und ich versuchte mich mit meinem Buch abzulenken. Michu nahm dies locker. Wird schon nichts passieren. Und so war es natürlich auch. In Uyuni starteten wir unsere Tour. Wir haben einen Jeep und einen Fahrer – welcher auch gleich noch Guide und Koch war –  gebucht (sein Name: Placido Domingo, aber nicht der Sänger!!).

Wir begannen unsere Tour mit der Besichtigung des Zugfriedhofs, wo alte Loks und Züge abgestellt wurden, welche nicht mehr für den Transport von Salz und Mineralien brauchbar waren. Danach fuhren wir hinein in die fast unendliche Salzwüste. Placido hatte extrem Freude daran, lustige Fotos von uns zu machen. Hier in der Wüste gelingen diese sehr gut…! 🙂 Am Rand der Salzwüste gab es ein paar Arbeiter, die das Salz verarbeiteten, welches später nach einigen Schritten als Speisesalz verkauft wird.

In der Salzwüste hat es verschiedene „Inseln“, welche wegen der grossen Hitze von Weitem aussehen als würden sie schwimmen. Wir besuchten die Isla del Pescado (sieht von Weitem aus wie ein Fisch der schwimmt), auf der es unzählige, riesige Kakteen gibt. Ein paar werden hier bis 12m hoch und bis zu 1200 Jahre alt. Sie wachsen ca. 1 cm pro Jahr.

Am Abend beobachteten wir den wunderschönen Sonnenuntergang von der Wüste aus. Trotz der Kälte konnten wir uns von dieser schönen Stimmung fast nicht losreissen. Als es dunkel war kamen wir in unserem Salzhotel am Rand der Wüste an, wo wir die erste Nacht verbrachten. Das ganze Hotel besteht aus Salz. Die Wände, das Bett, die Tische und Stühle. Einzig der Boden war aus Holz.

Am zweiten Tag führen wir früh los. Wir überquerten die ganze Salzwüste bis zum anderen Ende und besuchten dort ein Museeum mit alten, in einer Höhle liegenden Gräbern, welche noch aus der Inkazeit stammen. Es sind kleine Löcher im Boden, wo die toten Menschen in embryostellung vergraben wurden. Teils konnte man noch ganze Skelette sehen, welche wegen dem hohen Salzgehalt noch so gut erhalten sind.

Wir fuhren ein paar Stunden durch schöne Wüsten- und Berglandschaften (wo wir auch ein paar kleine bis mittlere (harmlose) Sand-Tornados entdeckten…), bis wir bei einem Aussichtspunkt ankamen, von wo wir einen noch aktiven Vulkan beobachten konnten. Nach diesem Vulkan folgten nacheinander vier schöne, blaue Lagunen. In drei davon leben drei Arten von Flamingos. (Wir konnten sie nicht so gut unterscheiden, aber Placido wusste immer genau welcher welcher war…) Bei den Lagunen verbrachten wir sehr viel Zeit, da diese je nach Wind und Sonnenlicht andere Farben hatten, und dies und die Tiere zu beobachten war wuderschön. In der Nähe der Lagunen sahen wir auch immer viele Vicuñas. Die ein bisschen dünneren und kleineren Lamas. 🙂 Bald wurde es schon Abend und wir fuhren Richtung Wüstenhotel. Es ging aufwärts bis auf 4700 müM durch eine rote und orange Wüste mit sehr sehr starkem Wind. Die Aussicht vom Hotel war toll. Rundherum nur Wüste und Berge soweit das Auge reicht.

Nach nur wenig Schlaf fuhren wir am dritten Tag bei -5 Grad Kälte um 5:30 weiter. Ich weiss, in der Schweiz ist es mittlerweile in der Nacht auch so kalt, aber wir haben hier ja keine Daunenjacke und Winterstiefel… 🙂 Nach einer kurzen Fahrt hielten wir bei Felsen an, welche aus Algen und Korallen bestehen, die sich durch die vielen Jahre in schöne Felsformationen versteinert haben. Früher war hier ein Meer, jetzt liegt die Wüste auf über 4500 müM! Die Stimmung war wegen des Sonnenaufgangs ganz speziell und das Licht tauchte die Felsen in schöne Farben. Leider hielten wir es hier wegen der Kälte nicht so lange aus und waren froh, wieder im „warmen“ Jeep zu sitzen und weiter Richtung Laguna Colorada zu fahren. Diese Lagune war zur Abwechslung mal nicht blau/grün, sonder durch die vielen roten Algen und die Mineralien schön rot/braun. Was das ganze noch spezieller machte waren die Berge, die sich im Wasser spiegelten und die vielen pinkigen Farbtupfer im Wasser (aus der Nähe waren es Flamingos). In dieser Lagune leben bis zu 70 000 Flamingos…

Was uns an diesem Tag am besten gefiel waren die Geysirbecken mitten in der Wüste auf 4900 müM. Es gab Geysire, welche den warmen Dampf bis zu 4m Höhe in die Luft schossen. Ausserdem war das Dampfen sehr sehr laut. Wir hielten es nicht lange neben dem Geysir aus, nur schnell fürs Foto…! Andere waren Becken in verschiedenen Grössen, wo es blubberte und dampfte und den Schlamm nur ein paar cm. weit in die Höhe spuckte. Dies war so eindrücklich und schön, dass wir eine ganze Weile dort verbrachten. Die Becken durften wir nur mit dem Führer besichtigen, da der Dampf extrem heiss ist und der Schlamm bis 180 Grad heiss werden kann. Also wenn man da reinfällt oder durch den Dampf läuft…! Weiter ging es durch den Nationalpark Salvador Dali, wo es wunderschöne, farbige Berge gab. Diese sahen aus als wären sie gemalt. Eben ähnlich einem Bild von Salvador Dali. Deshalb der Name. Der letzte Stopp bevor wir mit dem Minibus von der chilenischen Grenze nach San Pedro de Atacama (Chile) fuhren war die Laguna Verde. Eine kleine Lagune ohne Flamingos, denn sie ist giftig. Das Grün der Lagune wird durch eine Kupferablagerung und durch das Sonnenlicht erzeugt.

In San Pedro de Atacama verbrachten wir nur eine Nacht. Es ist eine kleine Wüstenstadt mit vielen Touristen und sehr hohen Preisen. Schon am nächsten Tag fuhren wir in 11 Stunden nach Salta. Eine Stadt in einer der vielen Weinregionen Argentiniens.

Das allerbeste an dieser 3- tägigen Tour war aber (und das muss ich jetzt einfach noch erwähnen), dass am 15.11.2011 meine Nichte und Michus „Göttimeitschi“ Hanna Lisa geboren wurde. Wir freuen uns riesig!

Bis zum nächsten Mal aus der Weinregion!

Stine u Michu

14. November 2011

Mehr Abenteuer als nötig am Titicacasee

Mehr Abenteuer als nötig am Titicacasee

7. Oktober – 14. November 2011
Geschrieben in La Paz, Bolivien

Reiseschmankerl #2: Wie Schweizer Vielzugfahrer den Zug in Peru verpassen…

Bereits im letzten Bericht haben wir kurz unsere Panne beim Zugfahren angetönt und hier nun die ganze Story dazu:
Als Besonderheit haben wir uns bereits zu Beginn der Reise entschieden, dass wir uns zwischen Cusco und Puno eine Zugfahrt mit dem Andean Explorer von Perurail gönnen wollen, da es ab und zu auch ein Hauch von Luxus sein darf. Die Fahrt kostete zwar etwa ein vierfaches des peruanischen Tagesbudgets, aber die Fahrt sei atemberaubend, wurde uns von mehreren Reisenden berichtet. Da wir bereits zwei Tage vorher ebenfalls mit einem Zug der Perurail zum Machu Picchu fuhren und wir da viel zu früh am Bahnhof waren, gingen wir diesmal etwas später aber trotzdem noch völlig in der Zeit liegend. Der Bahnhof befindet sich nicht in Cusco selber, sondern in Poroy, welches in ca. 25 Minuten mit dem Taxi zu erreichen ist. Als wir um 7.30 Uhr (Abfahrt um 08.00 Uhr) am Bahnhof ankamen, meinte Stine bald: „Es hat irgendwie so wenig Leute und unser Zug ist auf der Anzeigetafel auch nicht angezeigt“. Also kontrollierten wir die Tickets und merkten, dass der Zug nicht in Poroy sondern in Cusco fährt – Mist!

Verzweifelt suchten wir ein Taxi und fanden um 7.40 Uhr auch endlich eins, welches uns so schnell als möglich nach Cusco fahren sollte. Als Ansporn versprachen wir dem Taxifahrer einen zusätzlichen Dollar, wenn wir es rechtzeitig schaffen. Aber wie es Murphys Gesetz eben will, erwischten wir jeden langsamen Bus und Lastwagen, welcher um diese Zeit unterwegs war und so erreichten wir um 8.02 Uhr den Bahnhof in Cusco. Pünktlichkeit ist keine Sache, mit denen sich die Peruaner schmücken können, aber Perurail wollte an diesem Tag nicht unpünktlich sein und so war der Zug weg – Doppelt Mist!

In Aussicht der Alternative (einer 12h Nachtbusfahrt) rannten wir panisch zu einer Schalterdame und erzählten unser Problem, diese rannte kurz darauf noch viel panischer zum Bahnhofvorsteher und erklärte die gesamte Situation. Cool und abgebrüht wie ein Bahnhofsvorsteher halt sein muss (stell ich mir zumindest so vor) lief dieser gemütlich zu uns, packte sein Funkgerät und besprach sich mit dem Zugchef des fahrenden Zuges.

Zwei Minuten später wussten wir, dass falls es uns gelingt mit dem Taxi den Zug zu überholen, wir einsteigen können. Also beauftragten wir unseren Taxifahrer erneut Gas zu geben und so schnell wie möglich die Aufstiegsstelle ausserhalb von Cusco zu erreichen. Bereits nach einigen Minuten konnten wir am Stadtrand von Cusco den Zug erspähen und beobachteten wie wir Meter für Meter aufholten. Als unsere Fingernägel am Ende waren, hatten wir den Zug endlich überholt und konnten nun den nötigen Vorsprung gewinnen. Nach der 40 Minütigen Taxifahrt erreichten wir die Stelle, stellten uns an die Gleise und winkten mit unseren Tickets. Nach wenigen Minuten kam der Zug in Sichtweite, begann zu bremsen und liess uns einsteigen… Drinnen angekommen nahm uns das super nette Personal sofort die Rucksäcke ab und brachten uns ein Getränk… Schnauff!

Die Fahrt selber war dann genial: Super Essen, ein bisschen Luxus und die unbeschreibliche Landschaft dieser Andenhochebene, auf der der Zug zeitweise auf über 4’300m stieg.

Puno war die Endstation des Zuges und dort verweilten wir zwei Nächte am Titicacasee. Der Ort selber hat sehr wenig zu bieten und diente uns als Ausgangspunkt für die nächste Station unserer Reise. Von Puno aus hätten wir gerne die schwimmenden Inseln besucht, was aber wegen dem Gesundheitszustand von Stine leider nicht möglich war. (Man merke sich: Niemals Eis im Getränk!)

Copacabana

Wir liessen Peru hinter uns zurück und fuhren innert drei Stunden mit dem Bus dem Titicacasee entlang bis wir die bolivianische Grenze erreichten, von dort aus war es zu unserem Ziel nur noch ein Katzensprung. Copacabana ist ein winziges Städtchen am höchsten von komerziellen Schiffen befahreren See der Welt, dem Titicacasee. Dieser  liegt auf einer Höhe von 3’810m, ist 194 km lang und 65 km breit und hat eine maximale Tiefe von 281 m. Das Städtchen ist sehr touristisch und bietet ausser einem Hafen mit den Tourschiffen nicht viel. Dafür hatten wir hier das beste, kreativste Hotel der ganzen Reise bis jetzt! Die Lage war ein bisschen erhöht, das Zimmer inkl. Galerie war vor allem aus Holz und Stein gebaut. Riesen Glasfront mit Sicht auf den See, eigene, kleine Terrasse mit Hängematten und Liegestühlen, eine Dusche aus Stein usw.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem kleinen, klapprigen Schiff auf die Isla del Sol (Sonneninsel), welche der Inkalegende nach der Enstehungsort der Sonne und der Inkas sein soll. Die Insel ist landschaftlich sehr karg und beherbergt einige Inknaruinen. In einer ca. vierstündigen Wanderung an der prallen Sonne auf über 4’000 m waren wir froh, das Südende erreicht zu haben und wieder ins Boot steigen zu können.

La Paz

Vorgestern fuhren wir dann mit dem Bus weiter nach La Paz. Die Fahrt war durch das Warten auf die Tour de Bolivia (Echt!), das Überschiffen auf einem engen Kanal des Titicacasees und der kurvigen Strassen wirklich abenteuerlich. La Paz ist mit knapp 900’000 Einwohnern eine kleinere Stadt und hat den höchsten Regierungssitz der Welt. Die Stadt selbst ist nicht schön,  sehr schmutzig und bietet keine touristischen Highlights. Wir nutzen die Zeit hier vor allem zum Organisieren der Tour in die Salar de Uyuni (Salzwüste), welche wir am 15.11.11 starten werden.

Wir melden uns bald wieder mit den Eindrücken aus der grössten Salzwüste der Welt und wünschen euch bis dahin viel Spass mit diesem Bericht.

Bis gli,
Stine u Michu