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12. Januar 2012

Argentinies Weinhauptstadt

Argentinies Weinhauptstadt

2. – 8. Januar 2012
Geschrieben in Valparaiso, Chile

Nachdem wir von Patagonien nach Buenos Aires zurückgekehrt sind und in dieser Metropole nochmals einige Tagen verbracht haben, gings am 3. Januar mit einem Nachtbus weiter nach Mendoza. Für diese Überfahrt haben wir uns sogenannte Suites-Sitze gekauft, welche in etwa einem First Class- Sitz in einem Flugzeug entsprechen. Die Nacht ging in einem Bett, eigenem TV und Wifi wie im Nu vorbei. Witzigerweise spielten wir gleich nach dem Verlassen von Buenos Aires im ganzen Bus Bingo. Und Michu war unter allen Gästen der Erste, welcher durch den Bus lauthals „BINGO!“ rufen konnte. Der Preis, eine Flasche Weisswein aus Mendoza, genossen wir jedoch an einem anderen Tag.

Mendoza liegt im zentralen Westen Argentiniens am Fusse der Anden und gilt als wichtigstes Weinanbaugebiet Argentiniens. 70% der Weine werden in dieser trockenen und warmen Gegend hergestellt. Ein guter Grund also, diese Stadt zu erkunden.

Nach der Ankunft waren wir so richtig erschlagen von der Hitze, welche an allen drei Tagen zwischen 35 und 39 Grad lag und so mussten wir auch unsere Siesta-Stunden (im kühleren Hostelzimmer) zwischen 14.00 und 17.00 Uhr wieder einlegen! Die Stadt selber erhielt von vielen Reisenden und auch von unserem Reiseführer viel Vorschusslorbereen, aber dies können wir irgendwie nicht bestätigen. Es ist zwar ein gewisser Charme da, aber irgendwie sind wir vom Zentrum und der Stadt als Ganzes nicht überzeugt.

Deshalb setzen wir alle Hoffnung auf Maipu, ein Mini-Dörfchen, welches 17km ausserhalb von Mendoza liegt und nur einem Zweck dient: Weinanbau… So machten wir uns mit dem öffentlichen Bus auf zu Mr. Hugo, einem Fahrradverleih direkt an der Hauptstrasse von Maipu, welcher uns mit einer Karte und zwei Fahrrädern ausstattete. Wir entschieden uns gleich zu Beginn den längsten Weg bis zur Winzerei der Familie „Di Tomasso“zu radeln. Weindegustation auf leeren Magen fanden wir aber keine gute Idee und deshalb assen wir zuerst einen wunderbaren Poulet-Eintopf und genossen dazu einen Malbec Roble, welcher ca. 3m von unserem Tisch entfernt gedeiht. 🙂 Kurz vor dem Dessert entdeckte Michu einen alten WK-Kollegen mit seiner Freundin und so quatschten wir den halben Nachmittag über Gott und die Welt.
So ging der Tag weiter und wir machten uns müde und leicht angesäuselt auf den Rückweg. Unterwegs legten wir noch einen Stopp bei einer Olivenölfabrik ein und besuchten die Produktionsräume. Ausserdem durften wir uns einmal quer durchs Sortiment und zurück degustieren…

Nun verlassen wir Argentinien definitv zum letzen Mal Richtung Chile, wo wir als erstes Valparaiso, die Hafenstadt in der Nähe von Santiago besuchen werden.

Bis gli,
Stine u Michu

4. Januar 2012

Fast am Ende der Welt…

Fast am Ende der Welt…

10.  – 21. Dezember 2011
Geschrieben in Buenos Aires, Argentinien

Nur ein kurzer Flug von 3h und schon kamen wir ganz im Süden, in Patagonien an, genauer in einem kleinen Städtchen Namens El Calafate. Klein aber fein… die Geschäfte und Restaurants befinden sich alle in einer Strasse, die Häuser sind meistens aus Holz, mit Dächern fast bis zum Boden und oft schön bunt angemalt. Es erinnert uns ein bisschen an Blockhäuser in Kanada oder Skandinavien. Das Klima hier unten ist sehr abwechslungsreich und man muss auf alles gefasst sein. Einmal ist es angenehm warm, dann wieder eisig kalt und fast immer blies ein starker Wind. Wir hatten aber Glück, denn geregnet hat es nie!

Gleich am Tag nach unserer Ankunft fuhren wir mit dem Bus in den 80km entfernten Nationalpark Los Glaciares. Dort befindet sich eines der Highlights dieses Nationalparks. Der Perito Moreno Gletscher, welcher in den Lago Argentino ragt.  Dieser eindrückliche, bläulich schimmernde Gletscher wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Er ist 35km lang, 5km breit und ab der Wasseroberfläche 60m hoch. Unter dem Wasser geht er nochmals 120m in die Tiefe. Er ist einer der wenigen Gletscher, die auch heute noch wachsen.

Wir mussten uns warm anziehen. Ich glaube, in meinem Rucksack im Hotel blieb nicht mehr viel zurück. Thermounterwäsche (oben wie unten), T-Shirt, Faserpelz, Softshell- und Regenjacke, Halstuch, Kappe und Handschuhe… nach 5 Stunden Besichtigung war es einfach nur noch eiskalt. Aber egal!!! Der Perito Moreno war jede Sekunde in der Kälte wert! Wir verbrachten oft längere Zeit an einem Ort, nur um zu beobachten, wie die 60m hohen, gezackten Eisstücke abbrechen und krachend in den Lago Argentino fallen. Schon nur dem Gletscher zuzuhören war ein Spektakel! Es knarrte und knirschte über die ganze Breite des Gletschers. Es war unglaublich beeindruckend!

Mit dem Bus ging es weiter in den Norten nach El Chalten, der Wanderhauptstadt Argentiniens. Dieses Dorf wurde erst 1985 extra für Touristen gegründet. Das praktische hier ist, dass man die Wanderungen direkt vom Dorf aus machen kann und nicht noch zuerst paar Kilometer mit dem Bus fahren muss. Wir machten eine Wanderung, welche durch ein hübsches Flusstal führte wo der Wind so stark war, dass es (vor allem mich) viel Kraft kostete einen Schritt zu gehen. Wir kamen aber doch noch am selben Tag an und es hat sich gelohnt! 🙂 Ein wunderschöner Wasserfall fällt in einen klaren, blauen, kleinen See und fliesst als Bächli zwischen Bäumen und Felsen weiter. Ein Ort zum hinsitzen und geniessen! (Und es war windstill!) Der Rückweg war um einiges einfacher, da der Wind uns richtig vorwärts trug. Wir haben in unserem Leben noch nie so einen starken Wind erlebt… Unser Ziel für den zweiten Tag, das Bergmassiv Fitz-Roy mit dem berühmten Cerro Fitz Roy konnte man unten im Tal schon von weitem sehen.  Diese Wanderung führte auf einem schmalen Wanderweg durch Wälder mit teils abgestorbenen Bäumen hinauf zu einem Aussichtspunkt bei der Laguna Capri. Die Zusammensetzung Cerro Fitz Roy, Lagune und Wälder war wunderbar. Wir blieben auch hier lange sitzen und genossen die Ruhe und die wunderschöne Aussicht.

Ein anderer sehenswerter Nationalpark in Patagonien ist der Torres del Paine. Der Name hat nichts mit Schmerz zu tun, sondern bedeutet „blaue Türme“. (Paine = blau, ist ein Wort aus der Sprache der Mapuche Indianer.) Wir übernachteten in dem Städtchen Puerto Natales in Chile. Der Park ist etwa 100km vom Ort entfernt. Für den ersten Tag haben wir eine Schiffstour auf dem Lago Grey gebucht. Das einzige Problem war, dass wir keine günstige Möglichkeit fanden, dorthin zu gelangen. Die Bustransfers hatten ewig lange, da diese noch den alten, längeren Weg fuhren und auch nicht direkt bis zum Lago Grey. Der Veranstalter der Schiffstour verlangte so einen übertriebenen Transferpreis, dass wir schlussendlich für 2 Tage einen 4×4 Jeep mieteten.

Leider verpassten wir die Abzweigung zur kürzeren Strasse und mussten somit den langen Weg nehmen welchen auch der Bus fährt. Aber wir haben zum Glück genügend Zeit eingeplant um zum Abfahrtsort des Schiffes zu gelangen. Wie es der Zufall will, sahen wir dafür auf dieser Strecke noch drei Kondore (die grössten Greifvögel der Welt mit einer Spannweite von 3-4 Meter) über uns im Himmel kreisen. Die sieht man sonst eher selten bis gar nie.

Das Schiff fuhr los, rechts und links Berge und Wälder, im Wasser schwammen Eisschollen an uns vorbei. Ab und zu musste das Schiff ein paar Eisblöcke wegstossen um durchzukommen und ich hoffte immer, dass wir nicht so enden wie die Titanic… (Gut, im Notfall hätte man hier noch an Land schwimmen können…) Wir fuhren bis zum Grey-Gletscher welcher im See endet. So nah am Gletscher zu sein war sehr eindrücklich. Sogar anfassen war möglich, bei einem riesigen, abgebrochenen Stück Eis! Und für die, die sich jetzt fragen: Nein, ich wurde nicht seekrank! 🙂

Am nächsten Tag machten wir einen „Sightseeing-Tour“ mit unserem Jeep durch den Park. Wir fuhren vorbei an grüner Landschaft mit fein riechenden Blumenwiesen, vorbei an Seen und Wasserfällen, wanderten an türkisen Lagunen entlang zu einem abgelegenen Aussichtspunkt, wo wir die mehr als 2000m fast senkrecht aufragende Torres del Paine bestaunten und beobachteten die im Park frei lebenden Guanacas. Eine Mischung aus Alpaca und Reh… Wir waren froh, haben wir ein 4×4 Jeep gemietet, denn im Nationalpark gibt es nur Schotterstrassen welche zum grössten Teil sehr holprig sind. Wir hatten grosses Glück, dass wir ein paar Tage vor dem grossen Brand dort gewesen sind und bedauern sehr, dass wieder einmal jemand mit dem Feuer so fahrlässig umging. Schade um den schönen Park!

Was wir unbedingt machen wollten war eine Gletscherwanderung. Wir buchten eine fünfstündige Wanderung auf dem Perito Moreno Gletscher. Zuerst fuhren wir mit dem Schiff entlang dem Gletscher bis zur Moräne, welche wir danach ca. eine Stunde bis zum Basislager entlanggingen. Dort teilten wir uns in drei Gruppen auf und erhielten Steigeisen für an die Schuhe und ein Sicherheitsgurt. Wir waren zehn Personen pro Gruppe mit zwei Führern. Zuerst fühlte sich das Gehen auf dem Eis etwas komisch an, alle waren ein bisschen verkrampft. Uns wurde gezeigt, wie wir die Füsse stellen sollen wenn es rauf oder runter geht. Ich machte es am Anfang immer verkehrt. Mit der Zeit ging es aber immer besser, und nach vier Stunden waren wir halbe Profis. 🙂 Die Gletscherwelt… unglaublich schön, mit diesen verschiedenen Blautönen, den blauen, kristallklaren Flüssen die durch das Eis fliessen und den eindrücklichen, tiefen Spalten. Wir konnten ca. 15m weit in eine Eishöhle hineingehen und mit dem Sonnenlicht, welches hineinstrahlte sah es richtig kitschig aus. Die Platzangst hat man dort schnell vergessen… Obwohl ich zuerst ein bisschen Bedenken hatte, hat uns diese Gletschertour richtig Spass gemacht und war super schön! Ein Erlebnis, welches wir so schnell nicht vergessen werden.

Nun geht es heute Nacht mit dem Nachtbus weiter  nach Mendoza, dem bekanntesten Weingebiet Argentiniens.

Bis gli,
Stine u Michu

17. Dezember 2011

Warum Buenos Aires in Europa liegen sollte…

Warum Buenos Aires in Europa liegen sollte…

1.  – 9. Dezember 2011
Geschrieben in El Calafate, Argentinien

Buenos Aires, abwechslungsreich, schön, gross, gemütlich, beeindruckend… eine der spannendsten Städte Südamerikas! Wir haben uns sofort in diese Stadt verliebt!

Mit dem Bus kamen wir etwas ausserhalb von Buenos Aires an. Durch die Fenster des Taxis sah die Stadt zuerst mit den vielen Baustellen chaotisch und lärmig aus. Doch die Fahrt und dieses Bild war schnell vergessen! Die Stadt ist zwar riesig mit ca. 13 Mio. Einwohnern, aber die meisten Sehenswürdigkeiten liegen verteilt im Zentrum und sind zu Fuss erreichbar.

Buenos Aires hat verschiedene Viertel, jedes sieht total anders aus und man hat das Gefühl man befindet sich immer in einer anderen Stadt. Sie kommt uns sehr europäisch vor. Ein Mix zwischen Madrid, London, Barcelona mit viel südländischem Flair… Da gibt es zum Beispiel das Arbeiterviertel San Telmo, Zentrum der Tangokultur, wo sich auch unser Hostel befindet. Kopfsteinpflaster, alte Häuser, Boutiquen, Künstlerateliers und gute Restaurants. Wir gingen am Abend oft zum Plaza Dorrego, dem Zentrum des Viertels um zu Essen – Essenszeit hier um ca. 22:00 Uhr, also zur Zeit des Sonnenuntergangs…:-)) oder um ein bisschen zu flanieren. Am Sonntag gabs hier ein riesigen Markt mit vielen Antiquitäten, was uns eher weniger interessierte, aber als wir ein bisschen stöberten fanden auch wir zwei, drei schöne Sachen und vor allem schöne Bildmotive… 🙂 Die Tangotänzer vermissten wir. Es gab zwar live Tangomusik aber keine Tänzer. Erst an unserem letzten Tag kamen wir doch noch dazu ein Paar beim tanzen zu beobachten.

Gleich am zweiten Tag fuhren wir mit dem Taxi ins Viertel La Boca. Auch ein Arbeiterviertel direkt am alten Hafen, wurde von italienischen Einwanderern aus Genua gegründet. Wir besuchten nur die Hauptatraktion „El Caminito“, denn ausserhalb der Touristenwegen ist dieses Viertel nicht sicher. „El Caminito“ ist ein Fussgängerweg mit alten, ganz farbigen Häusern und vielen Künstlern, die ihre bunten Bilder ausstellen. Hier war es uns etwas zu touristisch und wir blieben nicht lange. Die Tangotänzer tanzten nicht, sondern verdienten ihr Geld mit gestellten Fotos welche von ihnen geschossen wurden. Das fanden wir sehr schade. Die Restaurants und Shops sind nur auf Touristen ausgelegt und somit viel zu teuer. Wenn man nun aber die ganzen Touristen mal ausblendet, dann haben uns die Farben, der Charme der Häuser und der Umgebung doch sehr gefallen. In diesem Viertel befindet sich auch das berühmte Fussballstadion der Boca Juniors. Gerne wären wir beim Cup-Final dabei gewesen, doch die bezahlbaren Plätze waren schon ausgebucht…

…wenn nicht ein Fussballspiel, dann gehen wir eben was anderes schauen! Und so verbrachten wir den Sonntagnachmittag an einem Polo Spiel. Die Regeln verstanden wir überhaupt nicht. Es war aber trotzdem spannen einmal zu sehen wie Polo gespielt wird und vor allem eindrücklich was diese Pferde leisten müssen. Mir taten sie ja ein bisschen Leid… Zum Glück wurden sie alle 2 – 3 Minuten ausgetauscht und konnten „ruhen“ bis sie wieder an der Reihe waren. Das Polo Gelände befindet sich im noblen Viertel Palermo Viejo. Hier besuchten wir verschiedene, wunderschöne, grüne Parks, unter anderem einen japanischen- und einen Rosengarten. Es war ein Feiertag und hatte viele Velofahrer, Skater und Jogger. Michu hätte sich am liebsten an die Jogger „drangehänkt“… und wäre mit ihnen eine Runde oder zwei gelaufen. Wir konnten „leider“ nur spazieren und entspannen. Von der Grossstadt kommt man hier nichts mehr mit. In Palermo Viejo gibt es die besten Restaurants der Stadt und viele Bars. Wir verbrachten auch hier ein paar schöne Abende. Leider war es zu Fuss viel zu weit und wir fuhren jeweils fast 1h U-Bahn pro Weg. Aber es hat sich gelohnt…

Das neuste Viertel der Stadt ist Puerto Madero. Das Hafenviertel hat eine sehr schöne Fussgängerpromenade mit neu renovierten Backsteinhäusern, modernen Hochhäusern (meistens teure Hotels) und viele aber teure Restaurants und Bars. Da es uns hier so gefiel, gingen wir paarmal hier spazieren. Die Abendstimmung ist grossartig. Hier erinnerte es uns sehr an die Uferpromenade in London.

Einen ganzen Tag verbrachten wir an einer einzigen Strasse! Der grössten Einkaufsstrasse von Buenos Aires. Kein Vergleich mit der Oxfortd Street, aber doch ein paar gute Shops und Einkaufszentren. Die andere berühmte Einkaufsstrasse haben wir viel schneller erforscht, da brauchten wir nur einen Abend… hier gibt es aber auch kein Verkehr und keine Ampeln.

Ein Highlight der Stadt ist der Recoleta Friedhof. Hier ruhen nur die Reichen, unter anderem die berühmte Evita. Es dauerte ein bisschen bis wir ihr Grab aus Marmor zwischen all den anderen fanden. Es sind nicht einfach „nur“ Gräber, sondern richtige Häuschen, manchmal kleine Kirchen fast alle mit Kreuzen oder Engelsstatuen auf dem Dach, die meisten aus Marmor, Sandstein, Glas oder Granit. Wir fanden den Friedhof/Prunk beeindruckend aber eigentlich unnötig!

Hier verbrachten auch wir – und wir sind sicher nicht die ersten und auch nicht die letzten – mehr Zeit als eigentlich geplant. Schade nur, liegt diese wundervolle Stadt so weit weg von uns… 14h Flug wären doch etwas viel für einen Städtetrip. Doch Argentinien bietet ja nicht nur eine schöne Stadt… mehr dazu im nächsten Beitrag!

Bis dahin wünschen wir euch allen schöne Weihnachten!

Bis gli,
Stine u Michu

 

 

 

4. Dezember 2011

1m/s*7’000m3/s*64m = Ein nasses Vergnügen

1m/s*7’000m3/s*64m = Ein nasses Vergnügen

28. November – 1. Dezember 2011
Geschrieben in Buenos Aires, Argentinien

Am späten Nachmittag kamen wir nach einem kurzen Flug in Iguazu an. Der gebuchte Transfer vom Flughafen ins Hotel klappte leider nicht, doch das super Hotel liess uns den kleinen Ärger schnell vergessen. Es lag mitten im Dschungel, hatte schöne Holzbungalows und ein Pool, welchen wir gleich nach der Ankunft mit grosser Freude nutzten.

Am nächsten Morgen fuhren wir schon früh zu den Iguazu Wasserfällen auf der argentinischen Seite. Wir nahmen den kleinen Touristenzug um zur Garganta del Diablo (Teufelsrachen) zu gelangen. Wir wollten gleich zu Beginn das grösste Highlight des Nationalparks sehen. Es hatte sooooooo viele Touristen, dass wir nur bis zur ersten Haltestelle fuhren und von dort aus den Rest des Weges liefen. Wir liefen lieber 30 Minuten als dass wir fast genau so lange zwischen den Leuten eingequetscht im Zug sassen. Dieser fuhr nähmlich so langsam, dass wir fast zur selben Zeit beim Eingang zur Garganta del Diablo eintraffen. Wir (und alle anderen…) liefen noch 15 Minuten weiter über eine lange Brücke aus Gittern bis zum Ziel: Ein riesiger Wasserfall mit paar „kleineren“ Nachbarwasserfällen, welche laut und mit 7000 m3 Wasser pro Sekunde in die Tiefe stürzten (64m). Wir konnten auf diesen Gittern bis ganz zum Abgrund laufen und überhängend nach unten schauen. (Und immer Sonnenbrille und Hut festhalten!!) Das Wasser unten, wo der Wasserfall „ankommt“, konnten wir nicht sehen. Das aufstäubende Wasser war so dicht und hoch, dass wir davon hier oben noch nass wurden! Dieses Erlebnis war für uns unglaublich beeindruckend! Doch dies ist natürlich nur ein ganz kleiner Teil dieser wunderschönen Wasserfalllandschaft, welche sich auf ca. 2.5km Länge erstreckt. Durch einen Rundweg oberhalb und einen unterhalb der Wasserfälle konnten wir noch viele weitere Fälle bestaunen. Was sehr erfrischend war – an diesem Tag stieg das Thermometer auf tropisch-feuchte 34 Grad -, war ein Aussichtspunkt so nah an einem Wasserfall, dass man danach schön abgekühlt und nass den Rückweg des Rundweges antreten konnte.

Wir liefen den ganzen Tag im Nationalpark herum (den Zug benutzten wir nicht mehr…), dass wir am späten Nachmittag ganz sehnsüchtig in unser Pool hüpften. 🙂

Den nächsten Tag verbrachten wir, wenigstens für ca. 4 Stunden, in Brasilien! Auch von diesem Land wollten wir unbedingt einen Stempel im Pass. 🙂 Nein, natürlich nicht…! Hier besuchten wir den brasilianischen Teil der Wasserfälle. Dieser Park ist sehr viel kleiner als sein Nachbar in Argentinien, dafür hat man von hier eine unglaublich schöne Panoramasicht auf fast alle Wasserfälle des ganzen Parks. Wir liefen auch hier den Rundweg und kamen auch in Brasilien nicht ohne Wasserfalldusche davon. Machte auch nichts…, denn es war noch ein, zwei Grad heisser als am Tag zuvor.

Am selben Tag um 16:00 startete unser Abenteuer „Nachtbus“! Zum Glück konnten wir im Hotel noch schnell duschen. Denn der Mix aus Schweiss, Sonnencrème und Mückenspray wäre im Bus nicht sehr angenehm gewesen! Wir fuhren 19 Stunden bis wir am nächsten Morgen in Buenos Aires ankamen. Die Buse hier sind ziemlich luxuriös. Die Sitze konnten wir bis 160 Grad senken, es gab Nachtessen und Frühstück, Kissen und Decke (für mich zwei, denn die Klimaanlage haben sie noch nicht so im Griff!) und jede Menge Filme. Am späten Abend schlief ich beim Filmschauen ein und wachte erst wieder auf, als es schon wieder hell war! Das hätte ich nie für möglich gehalten! 🙂

Jetzt freuen wir uns auf die big city mit guter Luft!

Bis gli,
Stine u Michu

27. November 2011

Unterwegs auf der Routa del Vino

Unterwegs auf der Routa del Vino

19. November –28. November 2011
Geschrieben in Salta, Argentinien

Für einmal nahmen wir ein bisschen Reisetempo raus und verbrachten eine gute Woche in der Region um Salta. Salta selbst ist eine Stadt mit einer knappen halben Million Einwohnern, in die wir uns fast ein bisschen verliebt haben. Nachdem die Mentalität, das Dienstleistungsbewusstsein und auch die Freundlichkeit in Ländern wie Bolivien oder Peru eher mässig waren und wir uns häufig einfach als „Tourist abgestempelt“ vorkammen, fiel uns sofort auf, dass dies in Argentinien nicht mehr der Fall sein wird. Wenn man durch die Stadt schlendert oder am Abend zum Essen in Richtung des zentralen Platzes läuft, findet man sich in einer Mischung aus Spanien und Italien wieder. Herrliche Restaurants, gute Gelaterias, Abends um 23.00 Uhr Temperaturen um die 25 Grad…. So lässt es sich leben!
Und so genossen wir die Stadt mit all ihren Vorzügen und verzichteten auf übermässiges Sightseeing oder irgendwelche geführten Touren.

Routa del Vino

Salta gilt als Startpunkt für die Routa del Vino, eine Strasse welche über knapp 190km in das Spitzenweinanbaugebiet Cafayate führt. Um diese Strecke möglichst autonom zu bestreiten, entschieden wir uns ein Auto zu mieten. Dies führt gleich zu mehreren Herausforderungen:

  1. Autofahren in Südamerika (viel Hupen, grundsätzliches ignorieren der Spuren, komische Vortrittsregelung)
  2. Im Einbahnwirrwarr von Salta den Weg auf die Routa finden
  3. Nach fast drei Monaten Fahrabstinenz wieder mal selber fahren
  4. Nach zwei Jahren Automat wieder mal manuell schalten

Alle vier Dinge haben aber dann bestens geklappt und wir genossen die wilde Fahrt durch die roten Canyons entlang des Rio Urubamba. Da man auf diesen Strassen nicht so schnell fahren konnte und wir „ab und zu“ ein Foto machen wollten, brauchten wir pro Weg ca. 4h….

Cafayate selber ist ein kleines Städtchen, welches komplett auf den Weinanbau ausgerichtet ist und so besichtigten wir diverse Kellereien und degustierten verschiedenste Weine. Es ist schön, einmal die Herkunftshäuser der Weine zu sehen, welche wir auch ab und zu in der Schweiz geniessen.

Nach zwei Tagen fuhren wir dann absolut nüchtern zurück nach Salta und quartierten uns wieder im gleichen Hotel ein.

Morgen geht es nun in eine andere Region weiter. Wir fliegen nach Puerto Iguazu und freuen uns auf die Iguazufälle, welche zu den grössten Wasserfällen der Welt gehören.

 

Reiseschmankerl #3: Auf der Jagd nach Morgenessen

Diese Story hat sich vor ein paar Wochen in Copacabana, Bolivien morgens um 09.00 Uhr abgespielt: Da wir in unserem Hotel keine Möglichkeit zum Frühstücken hatten wollten wir in einems der lokalen Restaurants gehen, also liefen wir los…

1. Restaurant: Die Eingangstür im Erdgeschoss war offen, die Öffnungszeiten lauteten von 7.30- 23.00, die Speisekarte war beleuchtet und wir hatten Hunger. Im ersten Stock angekommen war die Türe verschlossen und auch nach merhmaligem Klopfen wurde nicht geöffnet. Wir zogen weiter…

2. Restaurant: Wir fanden ein geöffnetes Restaurant und bekammen die Karten gereicht. Nach der Bestellung unseres reichhaltigen Frühstücks lief der Kellner 4 Schritte, kehrte ohne mit einer anderen Person zu sprechen zu uns um und meinte: „Es gibt kein Frühstück mehr“. Wir zogen darauf hin weiter…

3. Restaurant: Wir sassen ab und warteten und warteten…. Nach gut 5 Minuten fragten wir nach einer Karte und der Kellner erwiderte: „Wir haben gerade keine Karte, aber wartet einen Moment“. Darauf hin lief der Kellner wieder hinter die Bar und diskutierte und lachte mit seinem Kollegen weiter. Weitere fünf Minuten später hatten wir immer noch keine Karte und der Kellner machte auch keine Anstalten uns eine zu besorgen. Also zogen wir weiter…

4. Restaurant: Erst das vierte Restaurant war geöffnet, hatte Karten, hatte noch Frühstück und bediente uns einigermassen anständig und wir kamen zu unserem Frühstück!

Diese Geschichte wiederspiegelt für uns ein bisschen das Dienstleistungsbewusstsein in manchen südamerikanischen Länderen und wir können uns das als Schweizer gar nicht recht vorstellen, wie man so arbeiten kann…

Bis gli,
Stine u Michu